Solo auf Reise

Solo auf Reise

Solo auf Reise

Teil 1

 

Ob aus Überzeugung oder aus Notwendigkeit (hier meine ich weniger die Not denn die Wendigkeit), solo auf Reise zu sein kann eine echte Bereicherung sein.

 

In diesem Bericht definiere ich „solo“ als „ohne erwachsene Begleitung“, egal ob  Freundin, Lebenspartner, Ehemann, Schwiegermutter oder Freundesclique.
Solo reist du also auch mit Kindern – denn sie übernehmen keine Aufgaben wie eine erwachsene Begleitung. Auf die Kinder werde ich im Teil 2 genauer eingehen.

 

 

Meine Notwendigkeit

Bis zu meinem 28. Lebensjahr war ich nie alleine auf Reisen. Als Kind mit meinen Eltern, als Teenager mit der Freundin, danach mit Freund oder Lebenspartner,  und schliesslich mit meinem Ehemann.

Bei der Planung war ich je nach Begleitung mehr oder weniger aktiv, und ich fühlte mich ganz wohl dabei. Ich konnte mit entscheiden, musste aber nicht die ganze Verantwortung und alle anfallenden Aufgaben alleine übernehmen.

 

Nach der Trennung mit meinem Exmann hatte ich plötzlich meine gewohnte Reisebegleitung nicht mehr. Ich bin nicht der Typ für Ferien mit meinen Eltern, und reisen mit Freunden finde ich zwar sehr schön, war damals jedoch für mich nicht üblich.

Eines wusste ich aber sofort: Zuhause hocken kommt nicht in Frage!

Ich entschied, dass mir ein bisschen alleine sein ganz gut tun würde.

 

 

Meine erste Solo-Reise

Wer auf Reise geht, muss viele Entscheidungen treffen. Wohin, wie lange, wie reisen, Kosten, fester Aufenthaltsort oder herumreisen, Sicherheit und vieles mehr.

Unten stelle ich dir Fragen mit einer Entscheidungshilfe zur Verfügung.

 

Aufgrund der Trennung sah mein Konto erbärmlich aus. Ich brauchte also eine günstige Reiseart, die mir dann doch nicht zu wagemutig war: ich bin nicht der Typ mit Rucksack, der autostoppt und bei Fremden auf einer Matratze schläft. Zusätzlich kommen für mich als Frau auch Sicherheitsaspekte zum Tragen.

 

Ich entschied mich für eine Reise mit meinem Auto (das war abbezahlt ;-))  ins nahe Ausland. In einer Zeitschrift hatte ich einen Bericht über Kroatien gelesen: Ein Land, das sich vom Krieg erholt hat, mit freundlichen Bewohnern punktet und ein vielseitiges Angebot an wunderbaren Landschaften und Kultur bietet. Zudem hoffte ich darauf, dass in den Hotels Englisch gesprochen wird – viel mehr musste ich ja nicht reden…

 

Mit einer Tasche voller Kleider, Geld und ein paar Strassenkarten machte ich mich an einem Sonntagmorgen auf den Weg.

Ehrlich gesagt hatte ich Schiss. Schiss vor dem Alleine sein, die Sprache nicht können, nichts verstehen, mich verirren, Autopannen, Flirtversuche nicht abwehren können, ausgeraubt werden, kein Geld mehr haben, und vieles mehr.

Bei einer Tankstelle vor Luzern fühlte ich mich bereits extrem fremd. Ein attraktiver Mann, der ebenfalls gerade sein Auto tankte, verursachte mir wilde Rettungsphantasien: Er könnte doch mit mir plaudern, sich sofort verlieben, mit mir kommen oder umgekehrt, und die Solo-Reise müsste ich nicht machen…

Er lächelte mich an, stieg in sein Auto und fuhr fort.

Ich ebenfalls…. Richtung Italien.

 

Das Tessin erschien mir fast wie ein anderer Kontinent. Ich lachte mich selber aus, aber es nützte nichts. Ein Bauarbeiter am Lago Maggiore rief mir ein paar Worte zu, und ich verstand nichts, lächelte und winkte und flüchtete, damit er nicht noch mehr plaudern wollte. Ach herrje, ich war erst im Tessin und bereits mit einem italienisch sprechenden Bauarbeiter überfordert. Das konnte ja heiter werden!

Trotz allem, mein Stolz hätte niemals zugelassen, umzukehren. Also fuhr ich weiter, Gardasee, Venedig, Istrien,…

Ich war eine Woche unterwegs – aber jetzt soll es nicht über die Reise selber gehen. Wenn du Interesse an einem Reisebericht hast, schreibe mir doch! Dann werde ich das sehr gerne machen.

 

An der Sprache scheiterte ich immer wieder. Nach Venedig hatte ich mich kurz vor der Grenze zu Slowenien komplett verirrt. Ich wendete unzählige Male in engen Gassen, studierte wiederum die Karte, versuchte Wegweiser zu finden… Alles vergeblich. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo ich überhaupt war.

Schliesslich nahm ich all meinen Mut zusammen, um mit meinen Italienischkenntnissen (ich kann gerade mal eine Pizza bestellen) eine alte Frau zu fragen, wo ich überhaupt bin. Wir redeten beide, sie viel mehr als ich, und zeigten auf die Karte. Nach einem Redeschwall und vielen Gesten realisierte ich, dass sie mir sagen wollte, ihre Augen wären nicht gut und sie könne gar nichts auf der Karte erkennen…

Nachher verirrte ich mich auf der slowenischen Grenze (keine Ahnung, wie das geht, aber ich habe es geschafft und bin dreimal über die Grenze gefahren! Die Zöllner haben sich kaputt gelacht) und hatte einen Schock, als die slowenische Polizei mich auf der Autobahn mit 200 km/h verfolgte. Es stellte sich heraus, dass sie nicht mich suchten….

Kurze Zeit später war ich in Kroatien und konnte tatsächlich auf Englisch ein Hotelzimmer beziehen. Nach einer Stunde wie tot auf dem Bett liegen konnte ich mich vor Lachen fast nicht mehr erholen. Von da an ging es mir super und ich fühlte mich wunderbar mutig.

 

 

Solo reisen macht reich

Jedes Erlebnis dieser Reise –  und es waren zahlreiche – machten mich mutiger und stärker. Innert weniger Tage hatte ich Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl erlangt wie noch nie zuvor. Ich war stolz auf mich – und das ist ein wunderbares Gefühl.

Ich wusste: Wenn ich das geschafft habe, dann schaffe ich alles andere auch.

 

Grosser Reichtum empfinde ich auch durch die Intensität dieser Reise. Ich weiss noch jedes Detail wie wenn es gestern gewesen wäre. Dabei ist es 15 Jahre her.

Und ich habe viel mehr erlebt wie wenn ich mit Begleitung gereist wäre. Es ergaben sich unzählige Gespräche, ich hatte endlos Zeit und musste auf Niemanden schauen. Ich habe fast keinen Cappuccino selber bezahlt und bekam Mandarinen geschenkt. Irgendwo im Nirgendwo, ich musste meine Frontscheibe putzen und mich vom Schlaglochweg erholen, hielt ein alter Mann auf einem dreirädrigen Wagen, überreichte mir wortlos eine Mandarine und fuhr wieder los. Ich stand verdutzt da und schaute ihm nach – mit heissem Glücksgefühl im Bauch, wegen einer Mandarine. Wegen all dem um die Mandarine herum…

 

 

Schattenseite

Ich erlebe eine kleine Schattenseite an den Solo-Reisen: Sie sind durch die Intensität und alleinige Verantwortung anstrengend. Kein Partner übernimmt ein paar Aufgaben, niemand hilft Karten lesen, Hotel suchen, kann vielleicht noch eine weitere Fremdsprache. Flirtversuche gab es zahlreiche, und ich konnte mich nicht verstecken. Die Einheimischen sind sehr freundlich und zuvorkommend, plaudern, fragen und machen Angebote – manchmal zuviel, ich konnte kaum alleine irgendwo einmal sitzen.

Dazu kommt immer wieder einmal die Angst, sich zu verirren, eine Autopanne zu haben oder sehr unangenehme Begegnungen zu erleben.

Verirrt habe ich mich mehrere Male, aber da ich weder im Dschungel noch im Death Valley war, war das nicht weiter schlimm. Irgendwo geht’s weiter… Die anderen beiden Szenarien habe ich glücklicherweise nicht erlebt; und auch da würde die Welt nicht untergehen.  Mit Vorsorge und Vernunft lässt sich viel Unangenehmes vermeiden oder zumindest verringern.

 

 

Solo-Reise-Tipps

So, nun zu dir! Wenn du Solo-Reise-Anfänger oder –Anfängerin bist, mache dir zu folgenden Fragen ein paar Gedanken. Überlege dir, welche Optionen am besten für dich passen, womit es dir noch wohl ist.
Wenn du hingegen Profi bist, dann schreibe unten einfach im Kommentarfeld von deinen Abenteuern! 😀

So oder so – nimm nicht alles ganz ernst, ich habe mit einer Prise Humor und Übertreibung geschrieben… 😉

 

  1. Bist du eher mutig und draufgängerisch? Magst du Unvorhergesehenes, die Veränderung, den Nervenkitzel? –> Typ A
    Oder bist du eher der zurückhaltende und vorsichtige Typ? Überraschungen müssen nicht unbedingt sein, du hast gerne ein bisschen Struktur, und Gleichbleibendes ist für dich nicht langweilig, sondern entspannend.
    -> Typ B

 

Je mehr Typ B du bist, desto mehr Planung kann ich dir empfehlen. Ob du alleine planst oder dich mit einer Reisegruppe einer geplanten Tour anschliesst, kannst du selber entscheiden. Buche vorher die Hotels, lege die Reiseroute fest, lies entsprechende Literatur.

Mit einer Reisegruppe bist du nicht so ganz „solo“ unterwegs, aber du lernst viele neue Leute kennen. Zudem kannst du dann beim Reiseziel so ziemlich frei wählen.

Starte als B-Typ mit einer kürzeren Reise. Warum nicht einfach mal ein Tagesausflug machen? Das Wochenende ganz alleine? Vielleicht ist auch eine Woche machbar?

 

 

  1. Der A-Typ liebt Fremdsprachen und spricht auch mehrere, zum Teil fliessend. B-Typen hingegen können ein paar Brocken Schulfranzösisch und ein bisschen Englisch (dafür aber gut zeichnen und mit Händen und Füssen alles erklären).

 

Wähle als tendenzieller B-Typ für den Start ein Land oder eine Region, in der deine Sprache gesprochen wird. Es kann extrem erholsam und entlastend sein, wenn man einfach drauflos plaudern kann.
Wenn du ein bisschen mehr Herausforderung möchtest, krame deine Brocken Fremdsprache von der Schulzeit hervor und wage dich nach Frankreich, England oder Italien.

 

 

  1. A-Typen quatschen ständig fremde Menschen an, immer und überall. Im Zug, auf der Party, im Restaurant. Sie kennen fast jeden, so scheint es zumindest.
    B-Typen sind neugierig, interessiert und beobachten gern. Sie bekommen so sehr viel mit. Gespräche entstehen im passenden Moment, und alle Beteiligten ist das Gespräch willkommen.

 

Eigentlich gibt es überall nette und hilfsbereite Menschen. Einige werden jedoch fürs Nettsein und Helfen bezahlt. Manchmal ist es für B-Typen einfacher, diese Menschen anzusprechen. Das wären dann zum Beispiel das Hotelpersonal, der Reiseführer oder ein Restaurantangestellte. Dementsprechend könnte auch die Reise geplant werden: Hotel statt „Ich-erschnorr-mir-irgendwo-eine-Schlafgelegenheit“, Restaurant statt Markteinkauf und selber kochen, Reiseführer statt einfach drauflos reisen.

 

 

  1. Der A-Typ hat weder Angst vor Skorpionen noch vor Autopannen, Flugzeugabstürzen oder Lebensmittelvergiftungen.
    Der B-Typ hingegen macht sich Gedanken, was alles passieren könnte. Die sehr Ängstlichen befürchten unzählige grosse und immense Katastrophen, die einfach nur Vorsichtigen erkennen einige kritische Situationen.

 

B-Typen wählen besser einerseits sichere Reisearten, andererseits eher sichere Reiseländer – auch mit der entsprechenden Jahreszeit. Das Internet gibt Auskunft über zum Beispiel die politische Lage eines Landes.
Auch die Infrastruktur kann berücksichtigt werden: Wie ist die ärztliche Versorgung, gibt es Garagen die dein Auto flicken können, wie steht es mit Schutzmassnahmen für kritische Situationen wie Wirbelstürme und so?
Was kann vor der Reise getan werden? Impfungen, richtige Kleidung, sich informieren, geprüftes Fahrzeug, Karatekurs,…

          

                                              

  1. Du bist eine Frau (Typ A…äh…. B…. äh….?)
    Du bist ein Mann (einfach der andere Typ)

 

Unabhängig davon, welches das stärkere Geschlecht sein soll, sexuelle Belästigungen sind ätzend, und beim alleine reisen gibt es sie oft. Frauen sind eher davon betroffen, und je nach Reisedestination mehr oder weniger  häufig. Kein Reiseland bietet 100% Schutz, du kannst auch an deinem Wohnort blöd angemacht werden. Männer einiger Kulturen scheinen davon auszugehen, dass allein reisende Frauen nichts anderes wollen als Sex mit einem Fremden in einem fremden Land.
Plane dementsprechend, und bereite dich psychisch darauf vor. Je stärker und selbstbewusster du auftrittst, desto besser. Wähle zudem belebte Plätze, statt alleine durch dunkle Gassen zu irren. Wenn du Hilfe brauchst, sprich andere Frauen, Familien oder ältere Leute an.

 

 

Fange klein an und steigere dich nach Lust und Laune. Jede noch so kleine Reise kann ein Gewinn sein – nur wer zu Hause bleibt, hat nichts zum Erzählen! Gute Reise und viel Spass! Und schreib mir doch etwas über deine Erlebnisse.

 

 

 Und weiter gehts: Im Teil 2 die Solo-Reise mit Kindern.

 



2 thoughts on “Solo auf Reise”

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