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Sommertour – Marais Vernier und Pont-Audemer

Sommertour – Marais Vernier und Pont-Audemer

Sommertour – Marais Vernier und Pont-Audemer

 

Genug Küste! …beschliessen wir, und durchstöbern den Reiseführer über Infos zum Landesinnern. Die Campingplätze sind sehr viel spärlicher gesät, aber ich befürchte keine Probleme.

Natur pur gäbe es im Marais Vernier – ein Sumpfgebiet, das sich insbesondere mit satten, grünen Wiesen und glücklichen Kühen ausweist. Also los!

 

Tatsächlich: Die ganze Schweiz ist vertrocknet braun wegen der fehlenden Niederschlägen, aber i Marais Vernier ist es wirklich noch sehr grün. Neben Wiesen gibt es viele Waldstücke, Flüsse und Bäche, Kühe (gut möglich dass sie glücklich sind), winzige Brücken mit Gewichtbeschränkungen, enge Strassen und wunderbare Häuser. Die kleinen, meist ein- oder zweistöckigen Wohngebäude sind entweder mit Strohdach oder mit Fachwerk – oder beidem. Die Gärten werden liebevoll gepflegt und die Bewohner geben sich gegenüber Fremden zurückhaltend. Ihre Blicke scheinen ein bisschen zu fragen, was denn Touristen in dieser Gegend wollen.

Marais Vernier, Sump- und Naturschutzgebiet

 

Im gleichnamigen Dörfchen wie das Naturschutzgebiet Marais Vernier klärt mich eine Tafel auf, was es mit den Strohdächern auf sich hat – und insbesondere mit der Bepflanzung jener mit Schwertlilien. Diese entwässern das Stroh, so wird dem Schimmeln vorgebeugt. Und es sieht wirklich wunderhübsch aus!

Strohdächer

 

Strohdach Marais Vernier

 

Wir spazieren durchs Dorf – das heisst, ich spaziere, Robin schläft im Buggy – und geniessen die Idylle. Das Meer ist nur wenige Kilometer entfernt, und doch scheint es hier weit weg und unwichtig. Kühe, Blumen, Pflanzen, Früchte, eine grosse Dorfkirche und ein idyllisches Dorfleben sind hier viel wichtiger.

Kirche in Marais Vernier

 

Nach gemütlicher Fahrt durch beängstigend enge Strassen machen wir uns auf die Campingplatzsuche.

Der erste Platz wirkt sehr schön, und ein freundlicher Herr begrüsst uns sogar in seiner Mittagsruhe. Leider erfahren wir dann aber, dass Camping nicht möglich ist; der Platz vermietet nur Mobilhomes. Also weiter…

 

In der Teichregion des Städtchens Pont-Audemer scheint es einen Platz für Camping zu geben – die Fotos in Google-Maps sehen zumindest vielversprechend aus.

Und so ist es denn auch – aber es gibt nur noch freie Plätze auf der grossen Wiese, und dies ohne Strom. Ich überlege, was noch alles in unserer Kühlbox ist. Geht das? Alles Empfindliche muss es also zum Abendessen geben, und Junior erhält Kühlbox-Öffnungsverbot, damit alles möglichst lange frisch bleibt.

Ja, geht, beschliesse ich, und wir bleiben für eine Nacht.

 

Der Camping Risle-Seine in Toutainville bei Pont-Audemer ist absolut in Ordnung – aber so richtig wohl ist es mir irgendwie nicht. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass wir stromlos sind, obwohl das nicht wirklich ein Problem ist. Vielleicht muss ich mich doch noch einmal mit Batterien und Akkus befassen….

Der Pool hingegen ist super! Er ist eher klein, aber die Wassertemperatur perfekt, es ist sehr viel ruhiger und nur wenige Gäste baden.

 

Am Nachmittag machen wir einen kurzen Spaziergang zu den Teichen. Leider herrscht Badeverbot, und die Ufer sind dicht bewachsen. Robin findet es bald langweilig, im Gegensatz zu den Bremsen, die uns immer spannender finden. Bald schon kehren wir eilend und um uns schlagend zum Pourqois-Pas? zurück.

Teiche bei Pont-Audemer

 

Nach dem Abendessen schwingen wir uns aufs Rad. Das erste Mal, dass der Weg geradeaus verläuft – so schön!

Pont-Audemer ist nicht wirklich spektakulär: ein kleines Städtchen mit grosser Kirche. Ein paar wunderschöne Häuser finden wir dann aber doch. Die Aussenbereiche der Restaurants sind gut besucht, und wir trinken ebenfalls etwas und schauen den Leuten zu.

Fachwerk in Pont-Audemer

 

Kirche Pont-Audemer

 

Vor dem Schlafen essen wir ein zweites Dessert: Tiramisu aus unserer Kühlbox muss noch verputzt werden, bevor es zu warm wird. Eine tolle Erklärung für mehrere Desserts pro Tag…. grins…

Zudem planen wir, am nächsten Tag noch einmal im Landesinnere zu bleiben. Mal schauen, wohin es uns verschlägt.

 

 

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Unser nächster Halt heisst Dieppe. Das Städtchen sei schön, aber ebenso sehr lockt mich der Camping in der Nähe:  Camping Le Marqueval in Hautot-sur-Mer. Die Stellplätze sind um drei Teiche angeordnet, auf den Bildern wirkt es sehr naturnah und idyllisch. Zudem gibt es einen Pool und eine Hüpfburg; bei den warmen Temperaturen doch sehr verlockend.

Camping Le Marqueval

 

Wir reisen zügig an, und er Camping hat tatsächlich noch freie Stellplätze. Wir bekommen einen Platz unmittelbar bei einem Teich zugewiesen, und die Stellfläche ist sehr gross – Robin kann sich hier austoben.

Stellplatz Camping

 

Der Campingplatz ist wirklich sehr schön. Die Teiche haben zwar eine schmutzig-braune Farbe, aber es hat viele Pflanzen und Wasservögel. Und ein Angler hat tatsächlich einen grossen Fisch draraus gezogen.

Teich Camping Le Marqueval

 

Neben einen in mehrere Becken aufgeteilten Pool gibt es eine Hüpfburg, einen Spielplatz und eine Insel mit Eseln, Ponys und Ziegen. Perfekt für einen kleinen Verdauungsspaziergang.

Camping Le Marqueval

 

Die Sanitäranlangen sind ziemlich neu – jedoch eher unlogisch geplant. Leider auch eher schlecht unterhalten, bei der Dusche läuft das Wasser nicht ab, und die Brause taugt nicht viel.

 

Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag auf dem Platz, und Robin ist mit seinen Lego Duplos und dem Pool sehr zufrieden.

Hüpfburg
Hüpfburg
Hüpfburg

 

Am nächsten Tag radeln wir frisch nach Dieppe – zuerst alles geradeaus, dann sehr steil hoch, am Ende wieder  steil hinunter. Na, das kann ja eine Rückfahrt werden!

 

Dieppe fasziniert mit seinen Klinkerfassaden. Diese gibt es in allen Varianten, alle Farben, grosse Steine, kleine, alt und neu… Und einige Häuser scheinen sagen zu wollen: meine Erbauer konnten sich nicht für eine Klinkervariante entscheiden und haben viele genommen!

Klingerkfassaden in Dieppe

 

Ansonsten ist es ein hübsches, aber nicht herausragendes Städtchen.

Strand in Dieppe
Strand in Dieppe

 

Die grosse Kirche St-Jacques beeindruckt Robin… wohl auch deshalb, weil jemand Orgel spielt.

Grosse Kirche St-Jacques in Dieppe

 

St-Jacques in Dieppe

 

Die Rückfahrt ist wahrlich eine Herausforderung: Nicht nur wegen der Steigung, sondern auch das Finden des Weges. Der, der passen würde, ist nämlich gesperrt…
Fitness pur, so darf ich später mit Robin Glacé schlemmen 😉

 

Zurück auf unserem Teichplätzchen, studieren wir den Reiseführer. Wo wollen wir hin? Ich lese, dass am nächsten Tag Markt in Dieppe ist. Noch einmal hin? Ja warum auch nicht – einen guten Parkplatz habe ich bereits gesehen.

Robin studiert den Reiseführer

 

Am Abend haben wir keine Lust zum kochen. Wir wollen die kleine Bar testen. Das Bestellen ist schon sehr chaotisch, Rückgeld erhalten wir keines, und die Pizza kommt lange Zeit nicht. Unterdessen schnappe ich mir selber einen Lappen, um den Tisch zu putzen.
Die Pizza ist schlussendlich fein – nachdem wir sie in der Küche suchen mussten. Wäre da nur nicht dieser Junge, der unmittelbar neben dem Tisch Wasserbomben im Pool üben muss….

 

Der Markt ist gross, und erstaunlicherweise sind etwa die Hälfte der Stände Esswaren, Gemüse, und so weiter. Wir kaufen Poulet vom Grill, in einer Bäckerei – die dort übrigens Kunstbäckereien heissen! – ein Baguette, und schlemmen nach der Menschenmenge am Hafen unseren Spezialzmittag.

Hafen von Dieppe
Dieppe, Normandie

 

Robin weiss auch schon, wohin es weiter gehen soll: nach Etretat!

Reiseplanung nach Etretat

 

 

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Der Loire entlang

Der Loire entlang

Der Loire entlang  9. – 14. April 2017

 

Reisefieber

Ich weiss nicht mehr sicher, wie mein Reisefieber für die Loire entfachte. Wahrscheinlich war es ein Bericht in einer Zeitschrift. Ich war fasziniert von der unendlich schönen Flusslandschaft, wild, grün und lebhaft, mit den wunderschönen Trauerweiden und unzähligen Blumen und Pflanzen. Dazu gesellten sich unzählige Schlösser, eines schöner und märchenhafter als das andere. Gutes Essen wurde ebenso zelebriert wie excellenten Wein – was wollte ich mehr!

Ich bestellte mir ein schönes Fotobuch und konnte mich kaum satt sehen. Schon da war mir klar, dass meine Reise ohnehin zu kurz werden würde, um all das bewundern zu können.

 

Start

Als erster Halt hatte ich mir auf der Karte das Städtchen Gien ausgesucht. Ich wollte so rasch wie möglich an der Loire sein, und dann von dort aus weiter ziehen.
Die Fahrt dorthin war sehr angenehm, insbesondere einmal nicht durch den Gotthard – aber die Stecke ist mit knapp 6 Stunden Fahrtzeit genug lang. Zudem sind die Autobahnkosten hoch: Die Abstufungen in die verschiedenen Fahrzeugkategorien sind gross. Bediente Zahlstellen gibt es kaum, eine Kreditkarte lohnt sich also. Italien ist im Gegensatz dazu wesentlich angenehmer: nur etwa halb so teuer, und überall auch bediente Zahlstellen.

 

Gien

Nach der Autobahn fährt man durch eine unromantische Gewerbezone, dann durch das Städtchen Gien. Und plötzlich öffnen sich vor einem die Häuserreihen und geben den Blick auf die Loire frei, an dieser Stelle ein breiter Fluss mit dichtem Uferbewuchs. Eine geschwungene Brücke führt an diesem Punkt über die Loire, und rechts davon, von weitem erkennbar, befindet sich ein Campingplatz. Der Camping in Tessin war schön, aber das hier musste das Paradies sein! Der Platz erstreckte sich weiträumig über zwei Stufen, und die untere Stufe lag direkt an der Loire. Eine riesige Wiese mit grossen Bäumen und stellenweise Sandstrand – wunderbar. Darauf konnte ich etwa  vier Wohnmobile ausmachen. Somit konnte ein Wohnmobil etwa 400 Quadratmeter „sein Eigen“ nennen.

Der Campingplatz bot ansonsten eher wenig Infrastruktur: Ein Restaurant fehlte, ein kleiner Laden mit frischen Produkten gab es zwar ein paar Meter weiter, hatte aber nicht immer geöffnet. Der Pool war noch nicht geöffnet, und die Outdoorfitnessgeräte schienen veraltet. Dieser Platz punktete ganz klar mit der Lage und den wunderschönen Stellplätzen.

Vor uns die Loire und dahinter das Städtchen.
Dieses war klein und fein, und für einen Start prima geeignet.

Gien
Strand Gien

 

Velotour nach Gien

Ich dachte, es wäre auch ein prima Start für eine Velotour. Wir fanden am nächsten Tag tatsächlich einen Weg der Loire entlang, aber ich war lange nicht sicher, ob er privat oder öffentlich war. Die Schlaglöcher und Wurzeln wurden immer mehr, und irgendwann gab ich Robin und dem Rad zuliebe auf, und kehrte auf die Hauptstrasse zurück. Ich fahre nicht gerne auf einer Überlandstrasse, und ich war froh, als Briare vor uns auftauchte. Gemäss Reiseführer sollte es dort eine spektakuläre Brücke geben, die als Kanal für Schiffe diente. Es war mir ein Rätsel, wie so etwas gehen sollte.

Diese Brücke ist tatsächlich eindrücklich. Eine riesige, breite Konstruktion in der Form eines Troges überspannt die Loire sowie einen Kanalabschnitt. Das Wasser des Canal latéral à la Loire füllt diesen  600 Meter langen Trog und macht ihn passierbar für Schiffe. Eine Brücke für Schiffe!
Schleusentore, Treidelpfade und Kandelaber machen die Brücke auch ästhetisch zu einem Kunstwerk.

Kandelaber

Bei einer solchen Sehenswürdigkeit erwartete ich touristische Angebote en masse. Tatsächlich jedoch war Briare wie ausgestorben. Es war ein Montag, alle Läden hatten zu. Das Restaurant bei der Brücke war ebenfalls geschlossen, und Robin und ich hatten Mühe, eine kleine Verpflegung einkaufen zu können. Schliesslich fanden wir nur einen kleinen Bäcker, der jedoch ohne Konkurrenz florierte.

Trog – Brücke für Schiffe

Orléans

Nach zwei Nächten verliessen wir Gien und fuhren der Loire entlang Richtung Westen. Ziel war Orléans, eine lebhafte Stadt voller gemütlicher Bistro und Restaurant.

Sehr beeindruckend ist die imposante und grosse Kathedrale. Sogar andere Bauten um sie herum scheinen ihr Platz gemacht zu haben.

Orléans

Wir verbrachten hier den Tag mit flanieren und schlemmen.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadt während der Hochsaison sehr voll ist. Bereits jetzt wirkte die Stadt voller Leben, jedoch auf eine coole und legere Art. Es gab wenige Touristen, und die Einheimischen schienen ihre Stadt zu lieben und sie zu geniessen.

Ich liess meinen Camper auf einen grossen, öffentlichen Parkplatz stehen, und war ein bisschen besorgt, ob er bei unserer Rückkehr auch noch dort stehen würde. Die Plätze waren nicht für Wohnmobile gedacht (wenn auch nicht explizit verboten), und ich war froh, war unser Gefährt nicht so riesig und hatte das Aussehen eines Lieferwagens.

 

Beaugency

An der Loire und naher Umgebung gibt es über 800 Schlösser, 130 davon sind öffentlich zugänglich. Bei dieser riesigen Auswahl muss man Prioritäten setzten, ganz besonders mit einem Kleinkind.
Ich plante das Märchenschloss Chambord für den nächsten Tag ein, und wollte deshalb in der Nähe übernachten.

Das kleine Städtchen Beaugency lag ideal. Als wir am Nachmittag ankamen, radelten wir zuerst ein Stück der Loire entlang. Die Loire ist in der Gegend überwachsen und wild, der genaue Flusslauf kann sich ändern. Für die Schifffahrt ist die Loire zu wenig tief – dies ist erst ab Nantes möglich.

Ein Wegweiser führte uns schliesslich wieder über den Fluss zu einem eher unscheinbaren Campingplatz. Er wirkte ziemlich ausgestorben, und Infrastruktur gab es nur das Allernötigste. Was uns gar nicht störte, benötigten wir nichts ausser einem schönen Fleckchen Erde. Und das kamen wir geboten! Der Platz lag erhöht über der Loire, und die weite Sicht erstreckte sich weit über den Fluss, das Städtchen und die Umgebung. Wir standen in der vordersten Reihe, Logenplatz, für 14 Euro die Nacht inklusive Strom.

Picknick

Für ein gemütliches Abendessen spazierten wir über die Brücke nach Beaugency. Die Auswahl an Restaurants war gross, aber auf eine Bewertung durch viele Gäste mussten wir leider verzichten: überall war es ruhig und praktisch leer.

Wir assen vorzüglich! Zumindest ich… Robin gab sich kompliziert, wollte nur wenig essen, spukte Einiges wieder raus, schrie als ich ihm das Spiel „Löffel werfen“ verweigerte, und sorgte allgemein für Unterhaltung im Restaurant und Belastung meiner Nerven. Ich sagte mir: Nicht so bald wieder! Selber kochen bei unserem Pourquois-Pas? ist erholsamer, sogar wenn ich alleine abwaschen muss…

Caprese

 

Chambord

Schloss Chambord ist das grösste Schloss der Loireregion. Es wird als Jagdschloss bezeichnet, da die Jagd in den umliegenden Wäldern intensiv betrieben wurde.

Grösse, Konstruktion und die bekannte doppelte Wendeltreppe waren der Grund, weshalb ich es anschauen wollte.

Mehrere Kilometer vor dem Schloss passiert man eine Mauer und ein Schild informiert, man sei nun im Garten des Schlosses Chambord angekommen. Die Mauer hat eine Länge von 32 Kilometern.

Chambord

Das Schloss lohnt einen Besuch. Zuerst probierten wir uns bei der dazugehörigen Bisquiterie durch alle Sorten – das fand auch Robin sehr toll!

Das Schloss selber bietet wunderschöne Räume und zeigt oft Szenen oder Schätze der damaligen Jagd. Um das Schloss zu erforschen, nutzt man die doppelläufige Treppe: Zwei Wendeltreppen sind wie eine DNA-Helixstruktur ineinander verwoben. Passanten auf der anderen Treppe sieht man immer wieder, aber man begegnet sich nie.

Wunderschön ist die Dachlandschaft. Sie zaubert dem Schloss das Märchenhafte und Prunkvolle. Aus allen Winkeln, in alle Richtungen, Türmchen, Ecken und Kanten, könnte man unzählige Fotos schiessen; gross ist das Bedürfnis, diese Anblicke festzuhalten und noch speziellere Perspektiven einfangen zu können.

Chambord

In vielen Räumen und auch auf den Dachterrassen konnte sich Robin recht frei bewegen. Nur wenige Räume waren mit Möbeln verstellt, und die Aussenbereiche gesichert. Mit einem Kinderwagen die vier Stockwerke ohne Lift zu erkunden, ist nämlich nicht ganz einfach.

Unser Ausflug endete – wie könnte es anders sein – wiederum in der Bisquiterie. Schliesslich kann man die feinen Guezli viele Male probieren, und wir fanden dort spezielle Geschenke für die Daheimgebliebenen.

Chambord

 

3000 Teiche

Südwestlich des Schlosses fliesst die Sologne durch ein Gebiet mit 3000 Teichen. Dies klang faszinierend, und die Bilder im Reiseführer waren vielversprechend. Also fuhren wir in Richtung Romorantin-Lanthenay.

Die Region ist tatsächlich sehr schön, und auch wenn wir nicht gezählt haben, es gibt tatsächlich sehr viele Teiche. Nur leider sind die wenigsten zugänglich: selten gibt es eine Strasse oder einen Weg oder eine Parkmöglichkeit. Viele sind als Privatgrundstücke markiert und eingezäunt.
Die wilde Wasserlandschaft lag zwar mittelbar vor uns, sie war jedoch nicht wirklich erreichbar.

So irrten wir lange herum, fuhren hin und her und wieder zurück, mal da herum und mal dort…
Es gab viele Wegweiser mit Hinweisen auf Bed and Breakfast oder Chambre d’Hôtes, aber keine Campingplätze oder Stellplätze. Langsam machte ich mir Sorgen, ob ich mit Junior hier eine Übernachtungsmöglichkeit finden würde.

Im absoluten Nirgendwo, eine schnurgerade Überlandstrasse und nichts als Wälder und Felder und Teiche, fanden wir ganz unerwartet einen eleganten Campingplatz.
Camping Sites et Paysages les Saules bei Cheverny punktete mit vier Sternen, einen überdachten Schwimmbad, grosse Stellplätze unter hohen Bäumen, zwei Spielplätze und vieles mehr. Die Gäste hier schienen nicht zufällig da zu sein.

Wir genossen den Platz und ein feines Essen vom Grill, aber ich vermisste bereits die Loire. Ein Platz mit wunderbarer Aussicht, dafür weniger Komfort, war mir wichtiger. Schliesslich hatten wir ja eine komfortable Schlafgelegenheit.

Spielplatz

Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci ist hier überall. Entweder hat er tatsächlich bei den Bauten mitgewirkt, oder man hofft es zumindest….
Ein Abstecher des Château du Clos Lucé ist auf jeden Fall einen Besuch wert! Leonardo hat seine letzten Lebensjahre in diesem kleinen Schlösschen und dem dazugehörigen Garten verbracht. Die Ideenschmiede liegt in Amboise, und das Städtchen bietet noch viele weitere Sehenswürdigkeiten.

Das kleine Château ist liebevoll hergerichtet. Ich wäre nicht erstaunt gewesen, wenn Leonardo höchstpersönlich in seinem Arbeitszimmer zeichnen würde. In mehreren Räumen sind Zeichnungen, Skizzen und Konstruktionen von ihm ausgestellt, technische Ideen in kleinen Modellen umgesetzt, und Filme erklären die Funktionsweise.

Leonardo da Vinci

Sehr eindrücklich finde ich den dazugehörende Garten. Im weitläufigen Gelände lässt sich herrlich spazieren, und zwanzig Konstruktionen wurden mit seinen Plänen umgesetzt; diese können von allen Seiten studiert und oftmals selber bewegt werden. Oft kann ich gar nicht glauben, dass seine Erfindungen bereits 500 Jahre alt sind.

Leonardo da Vinci Drehbrücke

Die Irrfahrt

Von Amboise aus fuhren wir Richtung Osten – Ziel war die Loire in der Nähe von La Charité-sur-Loire. Wir passierten wunderschöne Anwesen, hinter grossen Mauern. Eine wunderbare Landschaft. Weiden, Felder, Wiesen und Wälder. Nach Bourges ist die Strasse kilometerweit so gerade, wie ich es bisher nur einmal in den USA erlebt habe.

Die Strecke zog sich dahin, und in den Städtchen gerieten wir ab und zu in Stau. Also hielt ich Ausschau nach einem Campingplatz. Wegweiser gab es einige: nach unzähligen Kurven, Abzweigungen und Fehlfahrten landeten wir meistens vor einem Zaun mit dem Schild: Fermé! Ouvrir de 1. mai. So habe ich Wenden gelernt… Und französisch reden! Bisher benötigte ich höchstens ein paar Brocken, um etwas Essen zu bestellen. Mein Schulfranzösisch klingt wahrscheinlich fürchterlich, aber ich wurde immer freundlich bedient! Auf den Campingplätzen können alle Englisch oder sogar Deutsch. Doch nun fragte ich oft nach dem Weg, nach dem Campingplatz, nach einer Wendemöglichkeit. Die Bewohner gaben Tipps, diskutierten über die Öffnungszeiten der Plätze und wollten alles über Robin wissen. Es schien klar: Die Plätze öffnen sicher nicht vor dem 1. Mai.

Da ich an der Loire bis jetzt Glück hatte, hoffte ich auf Charité. Auf der Karte war sogar ein Platz eingezeichnet. Noch besser: In Charité gab es einen entsprechenden Wegweiser…. Doch beim zweiten Kreisel keine Angabe mehr. Ich habe alle Wege und Varianten ausprobiert. Kurz bevor ich aufgeben wollte, sah ich einige weisse Fahrzeuge. Doch der Weg dorthin war wiederum ein Labyrinth.

Kurz vor dem Platz mit den Wohnmobilen stand ein Fahrverbot. Seltsam…. Wie kamen die denn alle dort hin? Ich schaute mir die Sache etwas genauer an, und realisierte plötzlich: das waren Fahrende!

Unterdessen war es schon abends, Robin müde und hungrig – ich übrigens auch. Wir hielten uns mit Äpfeln über Wasser, und hofften auf einen Platz für die Nacht.

Irgendwann gab ich total erschöpft auf. Die beste Lösung lautete: Richtung Norden nach Gien! Der wunderbare Campingplatz hat geöffnet!
Als wir dort endlich ankamen, war die Schranke unten, und ein Zettel informierte, es sei geschlossen. Bei der Barriere versuchte ich den Code, den wir vor drei Tagen erhalten hatten – aber er funktionierte nicht mehr.
Ich hätte mit Robin zusammen heulen können, vor allem durch die Müdigkeit.

In Gien war ein Stellplatz signalisiert; direkt an der Hauptstrasse. Aber wenn es eine Schlafgelegenheit wäre, dann ist das besser als gar nichts.
Der Platz war zur Hälfte frei, und ich war froh hatten wir noch Wasser und benötigten keinen Strom. Ich spielte noch mit dem Gedanken, die 10 Kilometer bis Briare zu fahren, dort lag ein Stellplatz ruhiger und nahe der Loire. Ich war jedoch in Sorge, ob es dort noch Platz hätte…
Zehn Minuten später war unser Platz randvoll!

Mit drei Tomaten, Knoblauch und Gewürzen kochten wir die allerbeste Sosse der Welt. Robin hat drei Portionen Pasta verschlungen, und ich ebenso.

Zur Nacht hin nahm der Strassenlärm etwas ab. Die Temperaturen waren wiederum um 10 Grad, und Robin und ich kuschelten uns zusammen. Den Elektroofen konnten wir ja leider nicht nutzen.
Wir haben erstaunlicherweise gut geschlafen, und um 8 Uhr war der Platz bereits wieder halb leer.
Ich schrieb den Zuhausegebliebenen: Wir leben noch!
Und ich war froh um diesen kleinen Belastungstest. Alle und alles hat sich super gemacht! Robin, der Camper, die Isolation, der Gasherd und die kleine Wasseranlage,… Wir wären also auch parat für die Wildnis!

Gutgelaunt machten wir uns auf den Nachhauseweg. Wir hatten viel erlebt und kommen auf jeden Fall wieder!