Iseo

Iseo

Iseo 1. – 4. Oktober 2017

 

Kennst du die norditalienischen Seen und bist ebenso fasziniert von ihnen wie ich? Ich finde es toll, innert relativ kurzer Zeit italienischen Charme und mediterranes Klima zu finden. Lago di Como und Lago di Garda sind die beiden bekanntesten Seen.
Die kleineren Seen sind nicht weniger anziehend, sie erfüllen jedoch andere Bedürfnisse als die grösseren und bekannteren Gewässer.

 

Im Vergleich zum Lago di Garda bietet der Lago d’Iseo weniger Tourismus, weniger Angebote beim Shopping, Nightlife, Sport, Ausflugsziele, Vergnügungsparks und so weiter. Dafür ist es ruhiger, erholsamer, individueller, und vor allem italienischer – also irgendwie echter.

 

Strand von Iseo

 

Für die Sommerferien wünschte ich mir viele Angebote, deshalb wählten wir den Lago di Garda. Doch nun sollte es ein bisschen ruhiger und entspannter sein, und wir wollten auch nicht lange an einem Ort verweilen.

Der Lago d’Iseo bot sich so an, vor allem da ich nachher über das Südtirol weiterreisen wollte. Ein erster Blick in den Campingführer zeigte mir, dass mehrere Campingplätze bereits Ende September schliessen – unsere Auswahl wurde also fast täglich kleiner. Ab Mitte Oktober ist kaum noch etwas zu finden, ausser man wählt Stellplätze.

 

Auch mit weniger Tourismus: Der Campingplatzbetreiber begrüsst uns in praktisch akzentfreiem Deutsch.  Der „Punta d’Oro“ liegt direkt am See, nur wenige Gehminuten vom Städtchen Iseo entfernt. Die Plätze sind leicht abschüssig zum See hin, Ausgleichkeile empfehle ich dir also sehr. Auch wenn es wenige Dauercamper hat, scheint sich doch fast jeder zu kennen; viele schwärmen für den Platz und kommen immer wieder. Neulinge wie wir werden sofort aufgenommen, ich erhalte Angebote für Robin-Hüteservice, es gibt gemeinsame Fussballspiele neben dem Wohnmobil, und Junior darf stolz auf dem Roller des Nachbarn sitzen und hupen.

 

Am Abend erreicht unsere Grillkreativität ein neues Level, und wir brutzeln Racelettekäse und Kartoffeln darauf. Schmeckt noch viel besser als zu Hause mit dem elektrischen Racelettegerät.

Racelette auf Grill

 

Das Städtchen Iseo

In wenigen Gehminuten erreichen wir das Städtchen Iseo. Auch hier ist alles ein wenig kleiner, ruhiger, italienischer und echter.

Lago d’Iseo

Der Schifffahrtsplan verkündet, es sei Winter, und die Schiffe fahren nur noch wenige Strecken. Die wenigen Touristen belegen somit auch ein ganzes Schiff und fahren auf die nah gelegenen Inseln.

Hafen Iseo

Der See ist hier wunderschön, und auch der Hafen mit Uferpromenade und Holzstegen lädt zum Spazieren ein. Die Auswahl an Restaurants und Bars ist genug gross, und in den Gassen gibt es Geschäfte mit zum Teil teurer Designermode.

Iseo

Robin und ich begnügen uns mit Schlendern, Fotografieren und Flirten sowie einen Znünieinkauf in einer kleinen Bäckerei mit riesiger Auswahl. Die Verkäuferin wendet sogar charmant einen Trotzanfall von Junior ab, indem sie ihm ein Brötchen mit Wurstfüllung schenkt.

Iseo

 

Nachtschwärmer

Es ist wunderbar, einmal nicht allzu viel zu tun, und so verbringen wir den Nachmittag am Strand und im Liegestuhl.

Die milden Temperaturen laden ein, lange draussen zu bleiben. Robin malt auch noch bei Dunkelheit eifrig im Licht der Campinglampen.

Camping Iseo

Es wird langsam kühl und es hat sich ein wenig Dunst gebildet, aber ich beschliesse trotzdem, meine ersten Nachtaufnahmen mit dem Fotoapparat zu probieren.

Ob mir die nötigen Einstellungen gelingen, ist noch offen – aber viel anspruchsvoller ist, bei der ganzen Konzentration Robin im Auge zu behalten: Das Stativ findet er ein tolles Tunnel um darunter hindurchzukriechen, Steine kann man in alle Richtungen werfen, und ins Wasser kann man hineinstehen (natürlich mit normalen Schuhen, nicht mit Gummistiefeln!) oder gar hineinfallen. Gleichzeitig suche ich die richtigen Einstellungen zusammen sowie den Selbstauslöser, damit es nichts verwackelt (zumindest solange Junior nicht gerade im Tunnel ist…), versuche die Kamera waagrecht auszurichten und staune, dass der Autofokus etwas erkennt: Für mich ist es einfach nur stockdunkel, dunstig und die Lichter unscharf verwaschen.

Auf dem kleinen Display sieht es tatsächlich so aus, wie wenn die Bilder etwas geworden wären, und ich könnte noch lange ausprobieren und fotografieren. Aber so langsam wird es kalt, und Robin turnt auf dem Steg herum… uff!

Blick von Iseo aus

 

Ausflug nach Brescia

Die Züge scheinen keinen Winterfahrplan zu kennen, deshalb fahren wir nach Brescia. Die kleinen Zwischenstationen haben lange, italienische Namen, und es steigt praktisch nie jemand zu.

Bahnhof Iseo

In Brescia muss ich mich zuerst mit dem Smartphone-Navi orientieren. Am Bahnhof herrscht neben geschäftigem Treiben auch ein gemütliches Sich-Treffen und Plaudern.

Wir irren ein bisschen hierhin und ein bisschen dorthin und geraten in ein Chaos aus Schulkindern und Eltern: Die Kinder werden zum Schulschluss abgeholt, aber die Szene wirkt wie eine ausgelassene Party. Niemand scheint es eilig zu haben, nach Hause zu kommen, die Kinder schreien und spielen und rennen herum, die Eltern (und zwar gefühlsmässig ALLE!) schwatzen, fotografieren, lachen, küssen ihre Kinder und sammeln Schultaschen und Jacken ein. Unseren Weg bahnen wir langsam und um Entschuldigung bittend, weil es fast kein Durchkommen gibt.

Ich versuche herauszufinden, ob es einen speziellen Anlass gab, aber nichts deutet darauf hin: Anscheinend ein normaler Schulschluss!

Immer wieder finden wir in Brescia wunderschöne Gebäude, riesige Plätze, Durchgänge, Verzierungen, antike Ausgrabungen, kleine Gassen und einladende Geschäfte. Es ist jedoch eher weitläufig verteilt, und ich lege mehrere Kilometer zurück.

Brescia

 

Brescia

 

Brescia

 

Brescia

 

Zurück in den Trubel des Bahnhofs, staune ich über den nun vollen Zug. Vor allem Jugendliche fahren mit, scheinen nun auch Schulschluss zu haben. An jedem kleinen Ort steigen viele Passagiere aus. Während ich stehe, setzt sich Robin mutig zu zwei jungen Männern, und eine halbe Stunde lang lächeln sich die Drei immer wieder an – echt süss zum Zuschauen!

Zugfahrt Brescia

 

Etwas müde lassen wir den Tag auf dem Campingplatz ausklingen. Morgen geht es weiter ins Südtirol…. Schau doch mal rein, der Bericht dazu kommt bald!

 

Iseo Mauerblumen am Strand

 

 



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